Marokko war unsere erste Afrikareise und gleichzeitig unser erstes Mal in einem islamisch geprägten Land. Auch wenn an der ein oder anderen Stelle definitiv eine Reizüberflutung eintrat, war die Zeit in Marrakesch dennoch eine grandiose Erfahrung.
2023 wurde das Gebiet rund um Marrakesch von einem Erdbeben erschüttert. Über 2000 Menschen kamen dabei ums Leben. Auch in der Stadt waren die Folgen im Herbst 2024 noch zu spüren, beispielsweise im Bahia-Palast. Wir entschieden uns dennoch für eine Reise nach Marrakesch und wurden von der roten Stadt keineswegs enttäuscht.
Inhaltsverzeichnis
Tag 1 - Jardin Majorelle und die nördliche Medina
Wenn ihr Marrakesch erkunden wollt, ist es durchaus sinnvoll, die Stadt räumlich aufzuteilen und euch pro Tag einen bestimmten Bereich vorzunehmen. So habt ihr auch die Möglichkeit, die Stadt zu Fuß zu erkunden. Wir haben uns für den ersten Teil die eher im Norden gelegenen Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Jardin Majorelle
Es lohnt sich, die beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Marrakesch gleich am Morgen zu besuchen. So entschieden wir uns gleich für den ersten Slot im Jardin Majorelle. So mussten wir vor dem Eingang und an den Highlights des Gartens gar nicht oder nur kurz anstehen.
Der Garten wurde ab 1922 von dem französischen Maler Jacques Majorelle mit Pflanzen aus der gesamten Welt angelegt. Charakteristisch für den Garten ist das nach ihm benannte Majorelle-Blau. 1980 wurde der Jardin Majorelle von Yves Saint Laurent und seinem Lebensgefährten Pierre Bergé gekauft, um es vor der Zerstörung durch Hoteliers zu bewahren und als Oase der Inspiration zu nutzen. Später gründeten sie eine Stiftung, die sich für den Erhalt und die Wiederherstellung des Gartens einsetzen sollte.
Zu Ehren der beiden ehemaligen Eigentümer gibt es zwei weitere Museen im und neben dem Jardin Majorelle. Zum einen das „Musée Pierre Bergé des arts berbères“, das sich der Berberkultur Nordafrikas widmet. Zum anderen das Yves Saint Laurent Museum, in dem unter anderem diverse Kleider des Modeschöpfers präsentiert werden.
Mehr über den Jardin Majorelle und die Museen erfahrt ihr auf der offiziellen Website.
Musée Dar El Bacha
Dar El Bacha ist ein ehemaliger Palast im Herzen der Medina von Marrakesch. Er wurde 1910 erbaut und diente als Residenz des ehemaligen Paschas von Marrakesch, Tami El Glaoui, der einer der wichtigsten politischen Akteure unter dem französischen Protektorat war.
2017 wurde der Palast renoviert und schließlich von König Mohammed VI als Musée des Confluences eingeweiht. Dar El Bacha bietet einen einzigartigen Einblick in die marokkanische Kultur und Architektur. Es beeindruckt durch reich verzierte Holzdecken und -türen, marokkanische Fliesen und die typische Riad-Architektur.
Für Kaffeeliebhaber ist auch gesorgt. Teil des Museums ist das Bacha Coffee, das Kaffeesorten aus aller Welt anbietet, jedoch vor allem auf Arabica-Kaffee spezialisiert ist.
Mittag auf dem Rooftop des Atay Cafe
Eine Gelegenheit, dem Trubel der Medina zu entfliehen, sind die zahlreichen Restaurants und Cafés, von deren Dachterrassen man einen tollen Überblick über die Stadt bekommt. Wir können zum Beispiel das Atay Cafe empfehlen, das sich nur 5 Minuten vom Dar El Bacha entfernt befindet. Es bietet eine hervorragende Aussicht auf die Medina und die nahegelegene Ben Youssef Moschee.
Le Jardin Secret
Der geheime Garten bietet einen idyllischen Rückzugsort mitten in der Medina von Marrakesch. Seine Geschichte reicht bis zurück zur Saadier-Dynastie im 16. Jahrhundert. Das Grundstück und der dazugehörige Palast wechselten speziell im letzten Jahrhundert mehrfach den Besitzer und verwahrloste mehr und mehr, bis man sich vor einigen Jahren entschloss, das Geländer wieder in Stand zu setzen. Seitdem blüht der Garten wieder auf. Neben Schildkröten, Oliven- und Zitrusbäumen kann man sich einen Moment der Ruhe und Entspannung gönnen.
Im Architectural Digest gibt es einen wunderbaren Artikel, der sich mit dem Aufblühen des Gartens mit den Ideen des Gartendesigners Tom Stuart-Smith befasst.
Die nördlichen Souks
Als wir morgens gegen 8 Uhr von unserem Riad in Richtung Jardin Majorelle gingen, wirkten Teile der Medina noch wie ausgestorben. Doch über den Tag erwachen die Gassen der Altstadt zum Leben. Teilweise wirken die Läden bunt durchgemischt, jedoch sind die Bereiche oft auf bestimmte Berufe spezialisiert. Im Norden der Medina sind dies zum Beispiel Tischler, Schmiede, Schuhmacher oder Gerber.
Dinner im "L´mida"
Ein letztes Highlight an unserem ersten Tag war das Dinner im Restaurant „L´mida“. Es liegt in unmittelbarer Nähe des Gewürzmarktes am Place des Epices. Das Restaurant bietet Fusion-Gerichte mit einem Mix aus marokkanischer und internationaler Küche an. Kulinarisch definitiv eine unserer besten Erfahrungen während unserer Zeit in Marokko. Gerne hätten wir auch die Rooftop Bar getestet, leider hat uns das Wetter an diesem Abend einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Tag 2 - Die südliche Medina
Am zweiten Tag erkundeten wir den südlichen Teil der Medina. Auch an diesem Tag lohnt es sich, möglichst früh zu starten, um den größten Menschenmassen zu entgehen.
Palais de la Bahia
Grund für das frühe Aufstehen war an diesem Morgen der Besuch des Bahia-Palasts, neben dem Jardin Majorelle wohl das beliebteste Touristenziel in Marrakesch. Wir kamen ohne großes Anstehen in den Palast, dennoch ist es bereits zu dieser frühen Zeit recht voll (als wir gingen, war die Schlange bei den Tickets jedoch deutlich länger). Gegen einen Aufpreis kann man den Palast mit einem der offiziellen Guide besichtigen, die am Palasteingang warten. Wir entschieden uns jedoch dazu, den Bahia-Palast auf eigene Faust zu erkunden.
Auch wenn man hier zugegebenermaßen kaum einen ruhigen Moment findet, beeindruckt das 8000 Quadratmeter große Areal durch seine Mischung aus marokkanischer und andalusischer Architektur. Vor allem die typischen Innenhöfe mit bunten Fliesen und Verzierungen wissen immer wieder zu überzeugen.
Palais El Badiî
Ein weiterer beeindruckender Palast befindet sich nur wenige Gehminuten vom Bahia-Palast entfernt. Der el-Badi-Palast wurde im 16. Jahrhundert durch den Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur errichtet. Von dem ehemaligen Palast sind jedoch nur noch die Außenmauern geblieben, die heute von Störchen als Nistplätze genutzt werden.
Der riesige Innenhof lässt die damalige Pracht des Palastes heute nur noch erahnen. Aber alleine die Größe der Anlage führt dazu, dass man sich hier wesentlich entspannter bewegen und die Ruhe genießen kann.
Mittag am Place des Ferblantiers
Zwischen den beiden Palästen befindet sich der Platz der Lampenmacher, der zudem an das jüdische Viertel Mellah und den dortigen Gewürzmarkt angrenzt. Am Platz selbst befinden sich eine Reihe verschiedener Restaurants. Wir entschieden uns für eine Pita bei Mazel, die wir in jedem Fall weiterempfehlen können.
Jemaa El-Fnaa
Wenn man in den Souks manchmal schon von den Eindrücken erschlagen wird, ist das auf dem Jemaa El-Fnaa erst recht der Fall, bei Tag und bei Nacht. Bereits am Tag kann man neben einigen Ständen die Schlangenbeschwörer und angeleinten Affen „bewundern“. Wir hielten eher Abstand. Am Abend geht der Trubel dann richtig los, wenn die Essensstände öffnen und der Rauch der Grills über den ganzen Platz zieht.
Generell hatten wir hier das Gefühl, dass man häufiger von Händlern und Inhabern der Stände angequatscht wird, was zwar dazu gehört, uns jedoch nie lange dort gehalten hat.
Koutoubia-Moschee
Unweit des Jemaa El-Fnaa befindet sich die größte Moschee von Marrakesch, die Koutoubia-Moschee. Das Minarett ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen der Stadt und Marokkos allgemein. Es diente als Vorbild für viele später errichtete Türme im islamisch-geprägten Raum.
Als Nichtmuslim darf man das Innere der Moschee nicht betreten. Dies gilt in Marokko für alle Moscheen mit Ausnahme der Hassan II Moschee in Casablanca. Rund um die Moschee gibt es weitläufige Parkanlagen, die zum Verweilen und Entspannen einladen.
Dinner im "La fontaine des épices"
Rein von der Einrichtung war das Restaurant in der Nähe des Jardin Secret wohl das schönste, in dem wir auf unserer Marokkoreise gegessen haben. Doch auch das Essen wusste zu überzeugen, wenn wir auch das Preis-Leistungs-Verhältnis etwas schlechter sahen als beispielsweise am Tag zuvor im L´mida. Dennoch ist La Fontaine des Épices alleine aufgrund seiner wundervollen Gestaltung einen Besuch wert.
Bonus: Medersa Ben Youssef
Bei eurem Besuch in Marrakesch solltet ihr die ehemalige Koranschule keinesfalls auslassen. Wir hatten am dritten Tag noch etwas Zeit, um die Medersa Ben Youssef am Morgen zu besuchen. Wenn ihr die Zeit habt, können wir euch den Besuch kurz nach Öffnung ebenfalls empfehlen. Solltet ihr diese Zeit nicht haben, könnt ihr die Koranschule aber auch am ersten Tag integrieren. Die Medersa, die bereits im 16. Jahrhundert errichtet wurde, beeindruckt durch ihre einmalige Architektur mit zahlreichen bunten Fliesen und reich verzierten Details aus Stein und Holz.



